Württemberg 1870: From „THE LÄND“ to „BREXIT-LAND“

„Wir können alles außer Hochdeutsch“ war Baden-Württembergs Slogan zur Selbstvermarktung von 1999 bis 2021, bevor man im Oktober 2021 meinte, mit etwas Neuem aufwarten zu müssen, und die Kampagne „THE LÄND“ startete. Angeblich will sich Baden-Württemberg damit neu erfinden, macht sich damit aber -nicht nur- nach Meinung der renommierten NZZ lächerlich. Neckargemünd hat Anfang 2022 sogar wegen eines entsprechenden „THE LÄND“-Plakats neben dem Ortsschild ein Bußgeldverfahren gegen das „Ländle“ eingeleitet. Dabei darf nicht übersehen werden, dass der Südweststaat Baden-Württemberg überhaupt erst seit 1952 existiert und bis 1918 das Großherzogtum Baden sowie das Königreich Württemberg selbständige Monarchien waren, seit 1871 als Bundesstaaten des Deutschen Kaiserreichs. Württemberg behielt dabei bis 1900 die eigene Posthoheit, wie die 62 Briefmarken-Hauptnummern des Michel-Katalogs eindrucksvoll belegen. Im Mai 1870 zog es den nachstehend abgebildeten Postbeleg vom schwäbischen Teil des Neckars zur britischen Themse:

20 1870 Württemberg

Der chamois-farbene tadellos erhaltene Umschlag ist mit lediglich einer Briefmarke, dafür aber mit dem bis dahin von der Königlich Württembergischen Post verausgabten Höchstwert von 18 Kreuzern frankiert. Während Baden bis dahin nur eine einzige Marke zu 18 Kr, allerdings auch eine zu 30 Kr verausgabt hatte, brachte es Württemberg bis 1870 auf 6 verschiedene 18 Kr-Marken. Ursprünglich war die blaue Farbe diesen Höchstwerten vorbehalten, doch änderte sich das ab 1864, als die blaue Farbe wie in Baden, Bayern und der Thurn und Taxisschen Post der 6 Kr-Marke zugeteilt wurde, und die 18 Kr-Marken die Farbe (gelblich)orange erhielten, die vorher die 3 Kr-Werte besaßen (letztere wurden ab der Umstellung in roter Farbe gedruckt). Unsere farbfrische 18 Kr orange ist gut zentriert und weist an Mängeln lediglich 2 leicht verkürzte Zahnspitzen am Unterrand auf. Die Marke ist sauber mit dem Ortsstempel „Stuttgart 15/5“ entwertet, also am 15.5.(1870), wobei der gleiche Stempel zusätzlich links ein weiteres Mal abgeschlagen ist. Der Brief ist nach London, also in die Kapitale des heutigen „Brexit-Lands“ gerichtet und nahm die Route über Belgien („Via Belgium“) und damit über Oostende und Dover. Das Porto setzte sich gemäß dem Attest des Verbandsprüfers Thomas Heinrich aus 8 Kr Vereinsporto und 10 Kr= 2 3/4 Silbergroschen Weiter-Franko (siehe Rötel-Taxe) zusammen. Der Empfänger war im Areal Haverstock Hill im Stadtteil Camden in der Upper Park Road wohnhaft (nördlich des Regent‘s Park gelegen) und erhielt seine Post aus dem „Schwaben-LÄND“ gemäß rotem Ankunftsstempel bereits am 17.5.1870.

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