Venezuela 1865: „Make-up lenkt ab!“
Schminke und Hautschmuck kannten zwar bereits die Neandertaler, doch beginnt die eigentliche Geschichte von „Make-up“ wie so vieles im alten Ägypten, als sich Frauen zum Schutz vor intensiven Sonnenstrahlen die Haut mit Salben und Ölen einrieben. Heute wollen die meisten Frauen nicht mehr auf Make-up verzichten, insbesondere nicht Beauty– oder Laufstegmodels. Viele Gewinnerinnen internationaler Miss–Wahlen stammen übrigens aus Venezuela, das bei den 4 großen Schönheitswettbewerben mit 24 Titeln im Ranking die Nationenliste anführt. Nicht nur, weil viele junge Venezolanerinnen hübsch sind, liegt ein weiterer Erfolgsgrund darin, dass solche Wettbewerbe den persönlichen Aufstieg und den Weg aus der Armut in dem heute ziemlich verarmten Land ermöglichen, auch dank des Einsatzes von Make-up und Schönheit-OPs.- Bei Briefmarken darf es aber grundsätzlich kein Make-up und keine Schönheits-OPs geben, denn sonst würde es sich um reparierte oder manipulierte Marken handeln. Gewisse „Make-ups“ sind aber gleichwohl erlaubt, wovon der nachstehend abgebildete venezolanische Faltbrief von 1865 zeugt:
Der tadellos erhaltene Geschäftsbrief ist mit einem farbfrischen Exemplar der 1863 verausgabten 1/2 Real orange frankiert, die im Schnitt oben und rechts berührt bis angeschnitten ist, dafür aber vom linken Bogenrand stammt, wie wir dem breiten weißen Seitenstreifen entnehmen können. Die Marke gehört zur 3. Freimarkenserie, denn Venezuelas Erstausgabe von 1859 mit besonders kleinformatigen Marken hatte sich bei den Schalterbeamten und Kunden im „Handling“ als unpraktisch erwiesen, so dass man nicht nur das Markenformat vergrößerte, sondern auch das Motiv auswechselte, das aus einem Adler mit geschweiften Schwingen im Perlenkreis besteht, umgeben von der Beschriftung „FEDERACION VENEZOLANA“ sowie der Wertangabe „MEDIO REAL“. Der Geschäftsbrief wurde gemäß vorderseitigem ovalen Firmenstempel am 1.4.1865 von der Firma Chartier & Co. in Puerto Cabello, das 75 km westlich von Caracas an der Küste gelegen ist, an die „Señores Kreutzer y Rivodo“ gerichtet und zu Schiff bis zur Hafenstadt La Guaira, der sog. „Pforte Venezuelas“ befördert. Dort wurde er traumhaft schön und zentrisch mit dem Doppelkreisstempel „F[EDERACION] V[ENEZOLAN]A ADM[INISTRACI]ON DE CORREOS LA GUAIRA“ vom 3.4.(1865) entwertet, bevor er über Land ins 20 km südlich gelegene Caracas befördert wurde, wo er gemäß Empfängervermerk am 4.4. ankam.- Die schöne leuchtende orangene Markenfarbe, der linke Breitrand, die schöne Schrift des Absenders und der perfekte Stempelabschlag lenken den Blick vom übrigen knappen Schnitt der Marke so ab, dass man sagen kann: „Make-up lenkt ab!“
Venezuela 1861: „Kleine Venezolanerinnen“
Die Einwohner des im Norden Südamerikas an der Karibik gelegenen Landes Venezuela nennt man Venezolaner bzw. Venezolanerinnen. Woher der Name „Venezuela“ stammt, ist umstritten: Nach überwiegender Meinung soll sich der italienische Entdecker Amerigo Vespucci wegen im Wasser errichteter Pfahlbauten der Ureinwohner an seine Heimat Venedig („Venezia“) erinnert und die Gegend daher 1499 als „Venez(z)iola“ (= „kleines Venedig“) bezeichnet haben. Nach anderer Lesart leitet sich der Name von einem flachen Felsen ab, den seine indigenen Bewohner „Veneciula“ nannten.- Venezuela, aus dem einstigen spanischen Vizekönigreich Neu–Granada und dessen Nachfolger, der Republik Kolumbien und dem späteren Großkolumbien 1830 durch Abspaltung als selbstständiger Staat mit der Hauptstadt Caracas entstanden, verausgabte 1859 seine ersten Briefmarken, freilich äußerst „kleine Venezolanerinnen“, wie das hier abgebildete Poststück aus dem Jahre 1861 belegt:
Es handelt sich um die Faltbriefhülle eines leider nicht mehr erhaltenen, einst eingelegten Geschäftsbriefs, die mit einem waagerechten Dreierstreifen von Venezuelas Michel-Katalog Nr. 1, der 1/2 Real orange des sog. groben lokalen Drucks, die ab Oktober 1859 verausgabt wurde, frankiert ist. Diese 1. Freimarkenserie, die aus den 3 Werten zu 1/2 Real orange, 1 R blau und 2 R rot bestand, war mit 19 x 13 1/2 mm extrem kleinformatig, so dass man erst bei genauem Hinsehen erkennt, dass es sich um 3 Marken handelt. Die 3 „kleinen Venezolanerinnen“ sind unten angeschnitten, dafür aber ansonsten breit- bis überrandig geschnitten. Wir sehen als Motiv das Landeswappen auf farbigem Grund u.a. mit einem Pferd nach rechts, das das einstige Pferd Simón Bolívars symbolisieren soll. Deutlich erkennbar sind die Inschriften „CORREO DE VENEZUELA“, „LIBERTAD“ sowie die Wertangabe „MEDIO REAL“. Die Marken sind mit 2 perfekt abgeschlagenen sich teils überschneidenden blauen Doppelkreisstempeln „CORREOS CARACAS“ vom 23.10. entwertet. Einem Empfängervermerk können wir die Jahreszahl „1861“ entnehmen. Der Brief war an die „S[eño]res H.L. Boulton & Co.“ in der 20 km nördlich von Caracas gelegenen Hafenstadt La Guaira gerichtet, dem damals vor Ort führenden Import/Export-Unternehmen, das der Engländer John Boulton Townley (1805-1875) 1827 gegründet hatte, an den noch heute die „Casa Boulton“ und das dortige „John Boulton Museum“ erinnern.- Die schönen Marken und ihre perfekte Abstempelung laden den Sammler vor dem Hintergrund der englischen Provenienz des Empfängers geradezu ein, in Abwandlung eines bekannten Filmtitels zu sagen: „Her mit den kleinen Venezolanerinnen!“
USA 1932: Ein friedliches „Manhattan-Projekt“
Mit dem Terminus „Manhattan-Projekt“ assoziiert man gemeinhin den Decknamen eines militärischen Atomforschungsprojekts der USA ab 1942, das unter der wissenschaftlichen Leitung des Physikers Robert Oppenheimer stand, und dessen Ergebnis die den 2. Weltkrieg im Pazifik beendenden beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 waren. Ein ganz anderes, vor allem friedliches „Manhattan-Projekt“ war hingegen zuvor der Bau des US-amerikanischen Passagierdampfers „SS Manhattan“, der Ende 1930 auf Kiel gelegt wurde und ein Jahr später vom Stapel lief, wobei die Witwe des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt Taufpatin war. Das rund 215 m lange Schiff mit ca. 22.500 BRT hatte Platz für bis zu 1300 Passagiere und trat am 10.8.1932 von New York aus seine Jungfernfahrt an. Die Reederei hatte die „Manhattan“ als das größte jemals in den USA gebaute Schiff beworben, doch war sie gegenüber berühmten britischen und deutschen Ozeandampfern eher „klein geraten“, maß doch z.B. die britische „Titanic“ bei mehr als doppelter Tonnage 269 m und wurde von der Deutschen „Imperator“ (276 m; 57.000 BRT) nochmals überboten.- Zur Jungfernfahrt am 10.8.1932 wurde nachstehender Umschlag an Bord der „Manhattan“ genommen:
Die hübsche Buntfrankatur von 5 verschiedenen Briefmarken aus 4 Ländern gründet sich auf die 5 Cents blau aus dem von der US-Post am 1.1.1932 verausgabten Sondermarkensatz anlässlich des 200. Geburtstags George Washingtons, die die Basis der Gesamtfrankatur bildet. Sie ist mit dem Duplex-Stempel „U.S.GER[MAN] SEA POST“ vom 10.8.1932 entwertet, dessen rechter kastenartiger Teil mit dem Text „S[team] S[hip] Manhattan“ gesichtsfrei über die Marke gestempelt ist. Links ist ein sehr schöner fast quadratischer violetter Stempel der Reederei mit der Silhouette der „Manhattan“ vor der Wolkenkratzer-Skyline Manhattans sowie dem Slogan „Largest Ship Ever Built in America“ abgeschlagen. Als Adressat ist der rückseitig zugleich als Absender benannte „John H. Vanmeter“ aufgeführt, doch nicht unter seiner rückseitigen Absender-Adresse „St. Petersburg, Florida, USA“, sondern im englischen Southampton, postlagernd („General Delivery“). Die Etappen der Jungfernfahrt waren das irische Queenstown, Plymouth, Le Havre und schließlich Hamburg. In Southampton, wo der Brief am 18.8. ankam, war offenbar als neue Adresse das südafrikanische Kapstadt („Cape Town“) hinterlegt, weshalb der Umschlag mit der britischen 1 1/2 Pence braun aus der Dauermarkenserie mit dem Portrait von König Georg V. zusätzlich frankiert und der neue Zielort handschriftlich vermerkt wurde. Demnach nahm ein anderes Schiff unser Couvert nach Kapstadt mit, wo es am 5.9. wiederum postlagernd ankam und erneut nicht abgeholt wurde. Um den Brief daher an den Empfänger zurückzuleiten, wurde er mit der südafrikanischen 3 Pence rot/schwarz aus der Freimarkenserie von 1927 versehen und mit „Cape Town/ Kaapstad“ am 19.9. abgestempelt. Dann ging es via Philippinen, wo in Manila 2 philippinische Marken am 8.11. verklebt wurden, um die halbe Welt zum Absender nach Florida, wo unser sehr dekoratives philatelistisches Kuriosum am 12.12.1932 ankam.
Ascension 1911: „Kein Urlaubsparadies!“
Mitten in den Weiten des Südatlantiks, rund 1300 km nordwestlich von St. Helena, liegt die nur rund 88 qkm „große“ Insel Ascension (offizieller Name Ascension Island), eine ursprünglich spärlich bewachsene Vulkaninsel und bestimmt „kein Urlaubsparadies“. Die ersten Europäer, die die Insel 1501 sichteten, waren die Portugiesen, und weil sich die „Entdeckung“ an Christi Himmelfahrt zugetragen haben soll, bekam sie den Namen „Ascensão“, blieb aber lange Zeit unbesiedelt. Als Napoleon 1815 nach St. Helena verbracht wurde, besetzten die Briten die karge Insel und bauten sie als „Ascension Island“ zur Festung aus, um etwaigen Versuchen, den exilierten Kaiser zu befreien vorzubeugen. 1836 kam mit Charles Darwin als Mitglied der legendären „Beagle“-Expedition der vielleicht berühmteste Besucher auf die vornehmlich von Schildkröten, Ziegen und Ratten bewohnte Insel und träumte von der Gestaltung einer Art neuen Gartens Eden. Wichtiger sollten sich 1899 der Anschluss an das Seekabelnetz und der Bau von Funkanlagen erweisen. Im 2. Weltkrieg war der Flugplatz für Zwischenlandungen essentiell, und im Falkland-Krieg 1982 war Ascension ein wichtiger Stützpunkt der Briten.- Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs verließ der hier abgebildete Briefumschlag 1911 Ascension:
Ascension bekam zwar erst 1922 seine eigenen Briefmarken, besaß jedoch in seiner kleinen Hauptstadt Georgetown, die heute noch immer nur ca. 500 Einwohner, aber damit mehr als die Hälfte aller Inselbewohner zählt, zumindest ein Postamt und eigene Stempel. Dort kamen bis 1922 die nicht überdruckten Briefmarken Großbritanniens an den Schalter, somit auch auf obiges Einschreiben-Couvert. Allerdings wurden 3 Marken aus der Freimarkenserie mit dem Portrait von König Eduard VII. (9.11.1841-6.5.1910; reg. seit 1901) verklebt, obwohl dieser bereits im Vorjahr verstorben war. Wegen des obligatorischen Trauerjahrs wurden die ersten Marken mit dem Konterfei Georgs V. nämlich erst am 22.6.1911 verausgabt, und das reichte natürlich nicht mehr für unser Poststück auf Ascension, das am 20.6.1911 versandt wurde. Die Umschlagsmarken zu 1/2 Penny grün, 1 P rot und 2 1/2 Pence blau sind Massenwerte, also keine Raritäten, doch haben sie in zweifacher Hinsicht ihre besonderen Reize, weil sie zum einen mit dem Rundstempel „ASCENSION 20 JU[NE] [19]11“ entwertet sind und nicht viele Postsendungen von diesem entlegenen Eiland erhalten blieben. Hinzu kommt, dass die 1 P rot diagonal halbiert ist (= „bisected“), und der Stempel vom verbliebenen „Dreieck“ auf das Couvert übergeht. Doch dürfte es sich hier um eine Gefälligkeitsabstempelung und nicht um eine amtliche Halbierung gehandelt haben. Empfänger war „Mr. W. Barker, Galen House, Todmorden, England“, der sich in dieser Zeit mehrere Frankaturen Ascensions mit auf dem Brief gestempelter Adresse in seine in West Yorkshire gelegene Heimatstadt Todmorden senden ließ. Via London (rückseitiger Transitstempel vom 5.7.) kam unsere „Barker-Post“ vom fernen Ascension am 6.7.1911 in Todmorden an.
Seychellen 1897: „Inselpost aus dem Urlaubsparadies“
Ob Mauritius, Malediven oder Seychellen: Diese im Indischen Ozean gelegenen Inseln locken jährlich unzählige Touristen an und gelten als klassische Urlaubsparadiese. Die Seychellen liegen rund 1800 km nordnordöstlich von Madagaskar und gehören daher wie Mauritius geographisch zu Afrika. Die 115 Inseln des Archipels umfassen ein Seegebiet von 31.000 qkm, wobei Mahé mit der Hauptstadt Victoria die mit weitem Abstand größte Insel ist. Die ersten Europäer, die die Inseln sichteten, waren die Portugiesen mit Vasco da Gama. Doch blieben die Inseln lange unbesiedelt, bis 1742 der französische Kapitän Lazare Picault auf Mahé landete und die Insel wegen ihrer üppigen Vegetation Île de la Abondance (Insel des Überflusses) nannte. 1753 wurde sie als französischer Besitz nach Ludwigs XV. Finanzminister, dem Vicomte Jean Moreau de Séchelles, in „Île de Séchelles“ umbenannt. Doch besetzten bereits 1794 die Briten die „Séchelles“, die 1814 offiziell an Großbritannien gingen und bis 1903 zur Kronkolonie Mauritius gehörten. Viele französische Insel- und Ortsnamen haben sich aber bis heute erhalten, doch wurde der Inselhauptstadt „L‘Etablissement du Roy“ von den Engländern 1841 der neue Name „Victoria“ nach der damaligen jungen britischen Königin verliehen.- 56 Jahre später, kurz vor Queen Victorias diamantenem Regierungsjubiläum verließ der hier abgebildete Brief 1897 die Seychellen Richtung Hannover:
Der Umschlag ist mit 4 Seychellen-Briefmarken frankiert. Erst 1890 bekamen die Seychellen eigene Briefmarken unter der Herkunftsbezeichnung „SEYCHELLES“, wie auf den 4 Marken außer der doppelten Randangabe „POSTAGE“ zu lesen ist. Alle Marken zeigen die Büste von Queen Victoria (24.5.1819-22.1.1901; reg. seit 1837) als junge Königin, obwohl sie 1890 schon über 70 Jahre alt war und nur auf ihren Marken ein „ewiger Jungbrunnen“ blieb. Es handelt sich um die 48 Cents (1 Rupie= 100 Cents) olivgelb/grün (ganz links) und 3 Exemplare der 18 C auf 45 C braun/karmin, die erst am 1.8.1896 verausgabt worden war. Eine der Überdruckmarken zeigt im Oberrand die Plattennummer „2“ des Druckbogens. Auch ist ihr Überdruck durch das verkürzte „N“ in „CENTS“ als Abart zu sehen, so wie beim Wert rechts außen das „T“ im gleichen Wort verkürzt ist, während die mittlere Marke „ganz normal“ ist. Offenbar war der uns unbekannte Absender auf seine Frankatur mächtig stolz, denn er vermerkte links unten zweisprachig: „stamped with 4 stamps! frankiert mit 4 Marken!“. Die Marken sind unterschiedlich entwertet: die 48 C mit dem ovalen Nummernstempel „B64“, die 3 anderen Marken jeweils mit dem Rundstempel „SEYCHELLES“ vom 27.1.1897. Empfängerin war die Witwe H(enriette) Geisenhof in „Hannover, Germany“, Inhaberin einer Lederwarenhandlung. Der Brief wurde über den Suezkanal befördert, wobei auch ein französischer Postdampfer mitwirkte, wie der französische Paquebot-Stempel der „LIGNE N“ vom 20.2.1897 belegt. Am 3.3.1897 erhielt Witwe Geisenhof die „Inselpost aus dem Urlaubsparadies“.
1906: 5 „Oscars“ für Schweden
Seit 1929 wurden Hollywoods begehrte „Oscars“ bis März 2024 schon 96 mal verliehen, wobei es für den „Oscar“, der offiziell „Academy Award of Merit“ heißt, 23 Kategorien gibt. Lange Zeit galt „Vom Winde verweht“ mit 10 „Oscars“ als erfolgreichster Film aller Zeiten, doch brachten es „Ben Hur“, „Titanic“ und zuletzt „Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs“ sogar auf jeweils 11 „Oscars“.- Uns geht es hier aber nicht um Hollywoods, sondern um schwedische „Oscars“, von denen das Land 2 Könige dieses Namens hatte, nämlich Oscar I. (1799-1859; reg. seit 1844), Sohn des Stammvaters des heutigen Königshauses Bernadotte, und Oscar II. (21.1.1829-8.12.1907; reg. seit 1872), der dritte Sohn Oscars I., der nach dem Tod seiner älteren Brüder 1872 neuer König von Schweden und in Personalunion auch von Norwegen wurde, jedoch die Krone Norwegens 1905 niederlegen musste.- Nachdem Norwegen bereits 1878 3 Freimarken mit dem Portrait Oscars II. verausgabt hatte, wartete Schweden bis 1885 mit einem Einzelwert, dem ab 1891 eine Freimarkenserie von 9 Werten folgte. Von somit 10 verschiedenen Briefmarken-„Oscars“ finden wir zumindest 4 davon (1 Wert doppelt) mit einem Wert der Ziffern-Freimarken auf nachstehendem Umschlag aus dem Jahre 1906 vereint:

Es handelt sich um das Couvert eines Wertbriefs („WÄRDE“) von Stockholm in die Hansestadt Lübeck. Der einst eingelegte Brief und natürlich das beigefügte Geld sind nicht mehr vorhanden. Die Frankatur ist etwas unübersichtlich auf die vom uns unbekannten Absender bei der Adressierung frei gelassenen Flächen der Vorderseite verteilt und besteht aus 6 Briefmarken, 5 davon mit dem Portrait Oscars II., nämlich der 8 Öre rotlila, der 30 Ö braun, der 50 Ö dunkelgrau sowie 2 Stück der 1 „Krona“ karmin/grau, zu denen oben rechts noch die 1 Ö braun/blau der Ziffernzeichnung von 1892 hinzugefügt wurde. Das Gesamtporto beträgt demgemäß 2,89 Kronen, was 17,34 g Feinsilber oder 3,85 Francs entsprach. Die Marken sind einzeln sauber mit dem Doppelkreisortsstempel „STOCKHOLM“ vom 3.7.1906 entwertet. Empfänger war der „ Kaufmann F. Schulze, Schiller-Straße 8, Lübeck“ („Tyskland“), dem der Absender eine beträchtliche Geldsumme per Wertbrief übermittelte, die für 2.667 schwedische Kronen versichert war („Assmeras för tvåtusensexhundrasextiosju kr“), eine enorme Summe, die über 2.500 Goldmark bzw. 1 Kilo Gold entsprach. Demgemäß ist der Brief rückseitig mit 5 schwarzen Siegeln versehen, um einer „vorzeitigen Geldentnahme“ vorzubeugen. Laut rückseitigem Ankunftsstempel traf die wertvolle Post am 5.7.1906 in Lübeck ein.- Trotz seiner 5 philatelistischen „Oscars“ kann unser seltener Wertbrief jedoch nicht mit den von Ingrid Bergman und Ingmar Bergman je 3 mal für Schweden gewonnenen Hollywood-Oscars konkurrieren.