Ob Mauritius, Malediven oder Seychellen: Diese im Indischen Ozean gelegenen Inseln locken jährlich unzählige Touristen an und gelten als klassische Urlaubsparadiese. Die Seychellen liegen rund 1800 km nordnordöstlich von Madagaskar und gehören daher wie Mauritius geographisch zu Afrika. Die 115 Inseln des Archipels umfassen ein Seegebiet von 31.000 qkm, wobei Mahé mit der Hauptstadt Victoria die mit weitem Abstand größte Insel ist. Die ersten Europäer, die die Inseln sichteten, waren die Portugiesen mit Vasco da Gama. Doch blieben die Inseln lange unbesiedelt, bis 1742 der französische Kapitän Lazare Picault auf Mahé landete und die Insel wegen ihrer üppigen Vegetation Île de la Abondance (Insel des Überflusses) nannte. 1753 wurde sie als französischer Besitz nach Ludwigs XV. Finanzminister, dem Vicomte Jean Moreau de Séchelles, in „Île de Séchelles“ umbenannt. Doch besetzten bereits 1794 die Briten die „Séchelles“, die 1814 offiziell an Großbritannien gingen und bis 1903 zur Kronkolonie Mauritius gehörten. Viele französische Insel- und Ortsnamen haben sich aber bis heute erhalten, doch wurde der Inselhauptstadt „L‘Etablissement du Roy“ von den Engländern 1841 der neue Name „Victoria“ nach der damaligen jungen britischen Königin verliehen.- 56 Jahre später, kurz vor Queen Victorias diamantenem Regierungsjubiläum verließ der hier abgebildete Brief 1897 die Seychellen Richtung Hannover:
Der Umschlag ist mit 4 Seychellen-Briefmarken frankiert. Erst 1890 bekamen die Seychellen eigene Briefmarken unter der Herkunftsbezeichnung „SEYCHELLES“, wie auf den 4 Marken außer der doppelten Randangabe „POSTAGE“ zu lesen ist. Alle Marken zeigen die Büste von Queen Victoria (24.5.1819-22.1.1901; reg. seit 1837) als junge Königin, obwohl sie 1890 schon über 70 Jahre alt war und nur auf ihren Marken ein „ewiger Jungbrunnen“ blieb. Es handelt sich um die 48 Cents (1 Rupie= 100 Cents) olivgelb/grün (ganz links) und 3 Exemplare der 18 C auf 45 C braun/karmin, die erst am 1.8.1896 verausgabt worden war. Eine der Überdruckmarken zeigt im Oberrand die Plattennummer „2“ des Druckbogens. Auch ist ihr Überdruck durch das verkürzte „N“ in „CENTS“ als Abart zu sehen, so wie beim Wert rechts außen das „T“ im gleichen Wort verkürzt ist, während die mittlere Marke „ganz normal“ ist. Offenbar war der uns unbekannte Absender auf seine Frankatur mächtig stolz, denn er vermerkte links unten zweisprachig: „stamped with 4 stamps! frankiert mit 4 Marken!“. Die Marken sind unterschiedlich entwertet: die 48 C mit dem ovalen Nummernstempel „B64“, die 3 anderen Marken jeweils mit dem Rundstempel „SEYCHELLES“ vom 27.1.1897. Empfängerin war die Witwe H(enriette) Geisenhof in „Hannover, Germany“, Inhaberin einer Lederwarenhandlung. Der Brief wurde über den Suezkanal befördert, wobei auch ein französischer Postdampfer mitwirkte, wie der französische Paquebot-Stempel der „LIGNE N“ vom 20.2.1897 belegt. Am 3.3.1897 erhielt Witwe Geisenhof die „Inselpost aus dem Urlaubsparadies“.