Peru 1858: Kein Vermächtnis der Inka

Vor der Eroberung Perus durch die Spanier unter Francisco Pizarro 1531/33 und der Gründung des späteren Lima durch diesen berühmt- berüchtigten Conquistador im Jahre 1535 besaßen die Inka über die sog. Inka- Pfade und Inka- Brücken ein erstaunlich gut organisiertes „Postwesen“. Gut trainierte Läufer, Chaski oder Chasqui (= Bote) genannt, übermittelten, jeweils auf einer Teilstrecke wie eine Art Staffelläufer eingesetzt, Nachrichten, auch vom und zum Inkaherrscher und überwanden dabei alle möglichen Geländehindernisse. Durch dieses Ablöseverfahren konnten große Strecken und Höhenmeter binnen weniger Tage bewältigt werden. Doch transportierten diese Boten keine Briefe im modernen Sinne, sondern Quipus/Khipus (= Knoten), aus Tierhaaren geknüpfte Knotenketten mit Hauptschnur und Nebenschnüren. Die Spanier sahen das als rückständig und heidnisch an und führten das lateinische Alphabet nach der Eroberung des Inkareichs ein. Damit wurde aber auch das Postwesen den jeweiligen europäischen Verhältnissen, zunächst im spanischen Vizekönigreich Peru, schließlich im seit 1821 unabhängigen Peru angepasst. Ab 1857/58 wurden in Peru Briefmarken verausgabt, wobei wir exemplarisch die erste staatliche Ausgabe, die Michel- Katalog Nr. 3 vom 1.3.1858 hier auf einer Faltbriefhülle zeigen:

1858 Peru

Es handelt sich um ein sehr gut gerandetes waagrechtes Markenpaar der 1 Dinero (1 Peso= 10 Dineros) blau, die auf einem Grund mit Wellenlinien das Wappen Perus zeigt, das aus drei Feldern besteht: Im oberen linken Feld befindet sich ein Lama als Symbol für die Fauna Perus, rechts daneben ein Chinarindenbaum für die Flora und unten ein Füllhorn, das für die Bodenschätze steht. Die Umschrift im Markenrahmen besteht aus den Worten „Porte- Franco“ (oben), „Correos“ (links und rechts) sowie der Wertangabe (unten). Beide Marken sind einzeln mit an die damaligen Stempel Frankreichs erinnernden Punktrhombenstempeln entwertet, in deren Mitte sich das Kürzel „HUANC.“ befindet, das für Huancavelica steht, eine heute ca. 40.000 Einwohner zählende Stadt in den peruanischen Anden. Der Brief ist in die an der Pazifikküste gelegene Hauptstadt Lima gerichtet. Ein aktueller Routenplaner gibt die Entfernung über moderne Straßen, aber mit L- förmigem Umweg mit 433,4 km in 6 Std. 43 Min. an. Unser Brief, der über keine Stempeldaten verfügt, benötigte im Jahre 1858 gemäß handschriftlichen Angaben des seinerzeitigen Empfängers auf der Innenseite für diese Strecke vom 10. bis zum 16.8.1858 und damit 6 Tage, was mit dem Postsystem der Inka mit seinen gut trainierten Teilstreckenläufern deutlich kürzer gedauert hätte.

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