Griechenland 2020: 2500 Jahre Schlacht bei den Thermopylen

Nach einer bekannten Redensart wird die Geschichte von den Siegern geschrieben. Doch gibt es auch Beispiele dafür, dass der Verlierer, also der sog. „Loser“, berühmter blieb als der Sieger, so z.B. Napoleon 1815 nach der Niederlage von Waterloo oder der legendäre Südstaatengeneral Robert E. Lee, der 1863 im Bürgerkrieg die Schlacht von Gettysburg verlor. Der vielleicht berühmteste „Loser“ der Geschichte und zugleich einer der größten Helden war aber wohl der Spartanerkönig Leonidas (Λεωνίδας =„der Löwengleiche“), der die griechischen Truppen in der Schlacht bei den Thermopylen (Θερμοπύλαι =„heiße Tore/Quellen“) Anfang August 480 v. Chr. im Kampf gegen die Perser befehligte und mit seinen verbliebenen 1000 Männern, darunter 300 Spartiaten, tapfer bis zum letzten Mann kämpfend nach dem Verrat des Ephialtes, der den Persern einen Umgehungsweg gezeigt hatte, unterging und so das persische Herr lange genug aufhielt, damit Athen evakuiert werden konnte. Die Athener konnten dadurch Ende September den entscheidenden Seesieg über die Perser bei Salamis erringen. - Die griechische Postverwaltung gedachte 2020 zum jeweils 2500. Jahrestag der beiden Schlachten bei den Thermopylen und bei Salamis jeweils mit 4 Sondermarken und zwei diese Marken enthaltenden Blocks, wobei die Ausgaben für den Sieg bei Salamis wesentlich farbenfroher ausfielen, während hingegen die vornehmlich grauen Gedenkmarken für die Niederlage bei den Thermopylen trotz goldener Beschriftungen ein wenig trist wirken, wie die hier abgebildeten beiden Markenblocks belegen:

2020 2 Griechenland

Der linke Block zeigt mit seiner linken Marke zu 1.- € eine helmbewehrte Büste des Leonidas. Als man ihm berichtete, die persischen Bogenschützen seien so zahlreich, dass ihre Pfeile die Sonne verdunkeln würden, soll er geantwortet haben: „Desto besser, so werden wir im Schatten  kämpfen.“ Noch bedeutender ist das Motiv der rechten Blockmarke zu 0,90 €, denn die dortige in Gold gehaltene Inschrift gehört zu den berühmtesten Sentenzen der Antike und wurde von Generationen von Altgriechisch-Schülern auswendig gelernt:  ξεν’, γγέλλειν Λακεδαιμονίοις τι τδε κείμεθα τος κείνων ήμασι πειθόμενοι. Wörtlich übersetzt heißt das: „O Fremder, melde den Lakedämoniern [=den Spartanern], dass wir hier liegen, den Worten [=den Gesetzen] jener gehorchend.“ So lautete die Inschrift eines antiken Gedenksteins für die tapferen Verteidiger, die auch heute noch auf einem modernen Denkmal vor Ort zu lesen ist. Cicero hat diese fast wörtlich ins Lateinische übersetzt: Dic, hospes, Spartae nos te hic vidisse iacentes, dum sanctis patriae legibus obsequimur. Schillers Version in „Der Spaziergang“ („Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein“) lautet: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“ Auch der rechte Block mit den Kampfszenen auf den beiden Werten zu 0,50 und 2,50 € lässt im Hintergrund dieses Epigramm auf den Heldentod der 300 Spartiaten, der auch Gegenstand des abstoßend blutrünstigen Films „300“ ist, erkennen. Ob sich dieses Heldentum in allen Details wirklich so zugetragen hat, wie es die Chronisten berichten, läßt sich nicht mehr rekonstruieren, doch wäre es nicht so gewesen, wäre das keine so schöne „Mär“ im klassischen Sinne!

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