Jamaica 1874: „Bottles of Rum!“

Rum und Piraterie gehören begrifflich zumindest nach verbreiteter Vorstellung zusammen wie Pech und Schwefel. Dazu hat auch Robert Louis Stevensons (1850-1894) berühmter Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ („Treasure Island“) beigetragen, in dem es bekanntlich um die Jagd nach dem Schatz von „Kapitän Flint“ geht, dabei auch um den Shanty „Fifteen men on the dead man‘s chest/ Yo-ho-ho, and a bottle of rum!“ So manche „Buddel voll Rum“ wurde auch in Cornwalls „Jamaica Inn“ geleert, dem Stützpunkt aktiver Strandräuber in Hitchcocks 1939 nach Daphne du Mauriers gleichnamigem Roman gedrehten Film. - Um Seeräuber soll es uns zwar in diesem Beitrag nicht gehen, aber um Jamaica und Rum, denn die zu den Großen Antillen zählende Karibikinsel Jamaica ist nicht nur dank ihrer Flagge für manches politische Koalitionsmodell zum Begriff geworden, sondern auch bekannt für seinen Rum, von dem der Inselstaat 2007 stolze 24,7 Mio. Liter exportierte. - In dem hier abgebildeten Geschäftsbrief aus dem Jahre 1874 spielen Jamaicas „Rum“ und sein damit verbundener „Ruhm“ eine zentrale Rolle:

5 1874 Jamaica

Der gut erhaltene Faltbrief ist mit 2 Briefmarken der „Jamaica Postage“ frankiert, wobei es sich um die 4 Pence ziegelrot sowie die 6 P lila handelt. Das Porto entspricht mit 10 P dem Tarif der 2. Gewichtsstufe. Beide Marken zeigen in unterschiedlichen Rahmen und Randornamenten das damals übliche Jugendbildnis Queen Victorias (24.5.1819-22.1.1901; reg. seit 1837), denn Jamaica war ab der Landung der Engländer 1655 bis zur Unabhängigkeit des Inselstaates 1962 eine britische Kolonie. Die einwandfrei gezähnten Marken sind leider ein wenig unsauber mit dem Nummernstempel „AO1“ abgestempelt und damit in Jamaicas Hauptstadt Kingston, wobei Kingston erst 1872 Regierungssitz geworden war. Das Aufgabedatum können wir einerseits dem rückseitigen Ortsstempel „Kingston M(A)Y 24/ 74 Jamaica“ entnehmen, des Weiteren dem schönen vorderseitigen ovalen privaten türkisfarbenen Absenderstempel der Firma „Finke & Co., Kingston, Jamaica“ vom 23.5.1874. Bei „Finke & Co.“ handelte es sich um ein in Kingstons Port Royal Street Nr. 29 ansässiges Unternehmen, das in alten Branchenverzeichnissen als „Liquor Dealer“ geführt wird und daher mit dem Vertrieb von Alkoholika, somit von Jamaica-Rum befasst war. Der Brief ist an das Handelsunternehmen C. Laloubère & Cie. in Jacmel und somit nach Haiti gerichtet, dem westlichen Teil der Insel Hispaniola, knapp 500 km östlich von Kingston gelegen, und wurde dorthin gemäß vorderseitigem Leitvermerk mit dem deutschen Dampfer „Elbe“ befördert, der Kingston am 25.5. verließ und am Folgetag in Jacmel anlegte. Leider fehlt -wie bei solchen Briefen nach Haiti fast immer- ein Ankunftsstempel (der Empfänger hat aber handschriftlich den Erhalt am 26.5. vermerkt), und auch der Briefinhalt spricht nur ganz allgemein von Vorkehrungen für eine nicht näher spezifizierte Lieferung, doch dürften viele „Bottles of Rum“ zweifelsohne der Hintergrund der seinerzeitigen Korrespondenz gewesen sein.

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