Russland/UdSSR 1989: 275 Jahre Seeschlacht von Gangut

Die Zeit russischer Seesiege liegt lange zurück. Zuletzt hatte die russische Marine am 14.4.2022 den Untergang der „Moskwa“ im Ukrainekrieg zu beklagen. In den beiden Weltkriegen gab es nur unbedeutende Einzelgefechte, während das Gros der Flotte nicht zum Einsatz kam. Der Russisch-Japanische Krieg hatte 1904/05 die fast vollständige Vernichtung der Kriegsflotte vor Port Arthur und in der Seeschlacht bei Tsushima mit sich gebracht. Doch glänzte Russlands Kriegsmarine im Griechischen Freiheitskrieg 1827 bei Navarino und 1853 im Krimkrieg vor Sinope unter Admiral Nachimow und konnte damit an den russischen Erfolg 1770 in der Seeschlacht von Çeşme (Tschesme) unter Alexei Orlow anknüpfen, übrigens alles Siege über die Türken. Der „Vater“ und Begründer der russischen Kriegsmarine war jedoch zweifellos Zar Peter der Große (30.5./9.6.1672- 28.1./8.2.1725), der dem einstigen moskowitischen Binnenstaat große Gebietszuwächse im Süden im Kampf um Asow und im Norden an der Ostsee gegen Schweden verschaffte. Er selbst hatte einst incognito in den Niederlanden als Schiffszimmerer gearbeitet und dann in Russland den Bau von Kriegsschiffen durchgesetzt. Ihre erste Feuertaufe sollte die junge russische Marine 1714 gegen Schweden in der Seeschlacht von Gangut bestehen, ein großer Erfolg, an den die sowjetische Post 275 Jahre später 1989 mit dem hier abgebildeten Markenblock erinnerte:

1989 Russland                           

Ließ das Zarenreich 1914 anläßlich des 200. Jahrestags noch Gedenk-Silberrubel prägen und ein neues Schlachtschiff auf den Namen „Gangut“ taufen, ignorierte die UdSSR 1964 den 250. Jahrestag, da ein einstiger zaristischer Erfolg ideologisch damals nicht in das Konzept der Sowjets passte. Unter Gorbatschow sah man das 1989 offenbar liberaler. Der Block zeigt samt seiner darin enthaltenen Sondermarke zu 50 Kopeken den Höhepunkt der Schlacht, als die russischen Galeeren das schwedische Flaggschiff „Elefant“ einkreisen und entern. Die russischen Schiffe standen unter dem Kommando von Admiral Apraxin, wobei  Zar Peter I. ebenfalls einen Angriff führte, weshalb sein Portrait im Medaillon am rechten Rand der Blockmarke zu sehen ist. Der Ort des Geschehens lag an der Südspitze Finnlands bei der Halbinsel (=udd) Hanko/Hangö, wobei aus Hangö udd im Russischen in Ermangelung eines „H‘s“ im Alphabet ein „G“ und damit Gangut (Гангут) wurde, wie im braun-goldenen Girlandenband am oberen Blockrand zu lesen ist. Am unteren Rand steht zwischen 2 Ankern das genaue Datum der Schlacht nach dem damals in Russland geltenden julianischen Kalender mit dem 27. Juli 1714 [= 7.8. greg.Kal.). Auf der Blockmarke steht geschrieben: 275 Лет Гангутскому сражению (275 Jahre Schlacht von Gangut). Der in den Grundfarben schwarzblauviolett/dunkelsiena gehaltene gestempelte Block wurde zwar erst am 27.7.1989 offiziell verausgabt, aber schon im Voraus am 24.7. auf dem Moskauer Hauptpostamt (Москва Почтамт) abgestempelt.

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