Montag, 28 Oktober 2013 12:21

1913: 300 Jahre Haus Romanow in Russland

1913: 300 Jahre Haus Romanow in Russland

Im Februar 1613 wählten die versammelten russischen Bojaren den 16-jährigen und praktisch unbekannten Michail Romanow zum neuen Zaren. Damit ging in Russland nach jahrelangem Bürgerkrieg die „Zeit der Wirren“ (russisch: Smutnoje wremja) zu Ende. Der junge Michail erfuhr von seiner Wahl im Ipatjew-Kloster in der Nähe von Kostroma. Niemand hätte gedacht, dass er der Gründer einer jahrhundertealten Dynastie werden würde. Das Haus Romanow brachte in den folgenden Jahrhunderten so bedeutende Herrscher wie Peter den Großen oder – durch Vermählung mit dem späteren Peter III.- Katharina die Große hervor.

Im Jahre 1913 feierte das Herrscherhaus unter Nikolaus II. (reg. 1894-1917) das 300-jährige Bestehen der Dynastie. Aus diesem Anlass erschien ein aus 17 Marken bestehender Gedenkmarkensatz. Er zeigte u. a. Portraits der wichtigsten Romanow-Zaren. Nikolaus II. war auf den Standardmarken zu 7 und 10 Kopeken sowie auf dem Höchstwert von 5 Rubel abgebildet.

Russland unterhielt aber auch Auslandspostämter, so auch im osmanischen Konstantinopel (heute: Istanbul, Türkei). 15 Marken der Jubiläumsausgabe wurden zu diesem Zweck in lateinischer Schrift waagrecht mit einer Wertangabe in türkischer Währung überdruckt, so die 5 Rubel-Marke mit dem französischsprachigen Aufdruck „50 Piastres“.

Der nachstehende von Konstantinopel nach Berlin gerichtete Brief zeigt diese mit Überdruck versehene 5 Rubel-Briefmarke mit dem Abbild von Nikolaus II.:

10 mit rand

Die Einzelfrankatur befindet sich auf einem adressmäßig vorbereiteten Brief und wurde als Einschreiben in Konstantinopel zur Post gegeben. Die Marke ist durch einen sauberen gut lesbaren Stempel, der ein weiteres Mal links neben der Marke auf dem Brief abgeschlagen ist, abgestempelt. In kyrillischer Schrift ist oben die Ortsangabe zu lesen, unten der russische Begriff für „Postbüro“ (Potschtowaja kontora). Ferner findet sich das Buchstabenkürzel: ROPiT, was für „Russisch-Ottomanische Post und Telegraphie“ steht. Hervorragend lesbar ist auch das Stempeldatum 21.03.1914. Anders als bei in Russland verwendete Marken ist dies –wie Vergleichsstücke zeigen- eine Datierung nach westlichem, nicht nach russischem Kalender. Leider findet sich auf dem wunderbar erhaltenen Brief kein Ankunftsstempel. Anhand von Vergleichsstücken dürfte die Beförderung mit der Eisenbahn (Orient-Express) nach Berlin aber nur drei Tage gedauert haben. Allerdings ist aufgrund des fehlenden Ankunftsstempels anzunehmen, dass der Brief bei der Post nur gefälligkeitshalber zu Sammlerzwecken abgestempelt und dem Empfänger sogleich wieder ausgehändigt wurde. Dafür spricht auch das Fehlen des üblichen, mit Einschreibenummer versehenen französischsprachigen Aufklebers ,,Poste Russe Constantinople recommandée“.

Nur vier Jahre nach Verausgabung der Romanow-Marken endete das russische Zarenreich mit der Abdankung von Nikolaus II. im März 1917. Im Juli 1918 wurden Nikolaus, seine Frau und ihre fünf Kinder in Jekaterinburg im Ipatjew-Haus ermordet. So endete mit dem Namen „Ipatjew“ die Romanow-Dynastie, die mit diesem Namen im Jahr 1613 begonnen hatte.

Montag, 17 Dezember 2012 13:45

China wird Republik

 Dieser Tage lasen wir es in der Zeitung, sahen es in den Nachrichten, dass in der VR China ein Wechsel in der Staatsführung vor sich geht. Vorsichtige Erwar-tungen knüpfen sich an die Amtsführung des neuen starken Mannes und seiner Mannschaft. Werden sie die wachsende Korruption im Staat wirklich eindämmen wollen und können, das Los der Menschen auf dem Lande verbessern?

China

Es ist gerade 100 Jahre her, dass sich in China ein noch viel tiefgreifender Wan-del vollzogen hat. Aus dem Kaiserreich China wurde die 1. Republik China. In den letzten Dezembertagen 1911 brach das marode Reich der Mandschu- (Qing-) Kaiser zusammen.

Ein Haarschnitt, der Geschichte machte: Als sich General Yuan Shih-kai, der eigentlich die Mandschu-Dynastie verteidigen sollte, auch den „Mandschu-Zopf“ abschneiden ließ, war das Schicksal des Kaiserhauses besiegelt.

Der letzte Kaiser „PuYi“, der als dreijähriges Kind auf den Thron gekommen war, dankte aber erst im Februar 1912 ab. Ob der Junge überhaupt wusste was da geschah? Eine sogenannte Kaiserinmutter wurde damals gezwungen, für ihn den Thronverzicht zu erklären.

Ab 1.Januar 1912 war China nun Republik. Das Ziel der Revolutionäre unter ihrem Führer Dr. Sun Yat-sen war die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie. Was aus diesem hohen Ziel wurde, sehen wir heute!

 

  

Briefmarkensammler dieses Landes können den Übergang von der Monarchie zur Republik auf vielfältige Art und Weise dokumentieren:

China

Die Abgebildete Karte aus Shanghai nach Hauts Geneveys in der Schweiz hat als Frankatur noch Briefmarken des Kaiserreiches mit dem senkrechten Auf-druck „Zhong Hua Min Guo“ was so viel wie „China Volksland“ oder kurz Republik bedeutet. Die Markenbilder zeigen in einem Medaillon den kaiserlichen Drachen, darüber schwebt ein Phönix-Vogel. Umschrieben ist das Medaillon in chinesisch und englisch „Chinese Imperial Post“. Der Abgangsstempel Shanghai 10.3.1913 und der Ankunftstempel Hauts Gene-veys 27.3.1913 dokumentieren die für damalige Verhältnisse kurze Transport-dauer von 18 Tagen über die Transsibirische Eisenbahn nach Europa. Mit dem Schiff musste man mit ca. 4 Wochen rechnen.

 


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