Spätestens seit der im Januar 2023 erschienenen Autobiographie des britischen Prinzen Harry wissen wir, dass es im britischen Königshaus neben dem Erstgeborenen als Thronerben („Heir“) nach Möglichkeit noch mindestens einen Geschwisterpart als „Reserve für alle Fälle“ („Spare“) geben sollte. Bei Harry dürfte der „Reservefall“ nicht eintreten, da sein erstgeborener Bruder William bereits Vater dreier Kinder ist. In früheren Zeiten musste aber mehrfach auf die „Reserve“ zurückgegriffen werden, so 1830, als Georg IV. kinderlos verstarb, ebenso 1837, da sein Bruder und Nachfolger William IV. zwar Kinder, aber keine ehelichen gezeugt hatte, so dass dessen Nichte Victoria als Tochter ihres vorverstorbenen Vaters Edward den Thron bestieg. Als mit Albert Victor 1892 der älteste Sohn des späteren Eduard VII. plötzlich verstarb, wurde dessen Bruder George, der spätere König Georg V., der nächste Thronerbe. Das Jahr 1936 führte schließlich zur wichtigsten „Ablöse“ des „Heir“ durch den „Spare“. Nach dem Tod Georgs V. am 20.1.1936 wurde dessen ältester Sohn Edward (23.6.1894-28.5.1972) als Eduard VIII. neuer britischer König. Der unverheiratete und kinderlose König hatte als Prince of Wales so manche Affaire gepflegt, meist mit verheirateten Frauen. Doch sollte seine Beziehung zur US-Amerikanerin Wallis Simpson (19.6.1896-24.4.1986), die als Bessie Wallis Warfield geboren wurde und zweimal geschieden war, den neuen König nach nur knapp elfmonatiger Regentschaft den Thron kosten. Der breiten Öffentlichkeit war dieser Konflikt von Thron und Liebe noch nicht bekannt, als im September 1936 die ersten und einzigen Briefmarken Eduards VIII. erschienen:

22 1936 Großbritannien

Verausgabt wurden insgesamt 4 Werte, von denen 3 Marken auf obigem Couvert zur Frankatur genutzt wurden. Dabei handelt es sich um die 1/2 Penny gelbgrün, die 1 1/2 P rotbraun sowie die 2 1/2 P ultramarin, die alle am 1.9.1936 erschienen. Es fehlt lediglich die 1 P rot, und dies aus gutem Grund: Sie wurde nämlich erst am 14.9. verausgabt und kann sich daher gar nicht auf dem Briefumschlag finden, der ein sog. Ersttagsbrief ist, wie der Kastenstempel „First Day Cover“ und die ovalen Einschreibestempel „Registered“ vom 1.9.1936 belegen. Die Marken sind im Stil der „neuen Sachlichkeit“ gehalten und lassen die Ornamentik früherer und späterer britischer Dauermarken vermissen, denn sie zeigen nur den Kopf des Königs, die Krone, die Wertangabe und das Wort „Postage“, somit die reinen Essentialia. Der Umschlag diente in Southampton als Innerortsbrief eines dortigen Briefmarkenhändlers, also rein philatelistischen Zwecken.- Die konservative Regierung unter Stanley Baldwin und die anglikanische Kirche widersetzten sich dem Wunsch Eduards VIII., die geschiedene Wallis zu heiraten, so dass der König („Heir“) am 11.12.1936 abdankte, und sein jüngerer Bruder Albert („Spare“) als Georg VI. den Thron bestieg. Edward verließ als „Herzog von Windsor“ seine britische Heimat und heiratete Wallis am 3.6.1937 in Frankreich.

Für manche Menschen stellt es ein Problem dar, nicht an 1., sondern „nur“ an 2. Stelle zu stehen, so z.B. für Prinz Harry, dessen im Januar 2023 erschienene Autobiographie bereits mit ihrem Titel „Spare“ („Reserve“) seinem Frust darüber Ausdruck verleiht, als Zweitgeborener nicht primärer Thronerbe zu sein. Im Sport wird der 2. Platz oft nur als „Trostpreis“ empfunden, wie das Verhalten der Mannschaft des entthronten Titelverteidigers Frankreich im Dezember 2022 bei der Fußball-WM in Katar nach dem verlorenen Finale zeigte, als einige Spieler die ihnen umgehängte Silbermedaille sofort wieder ablegten. Der Apollo 11-Astronaut Edwin („Buzz“) Aldrin (geb. 1930) hat es nie verwunden, 1970 wenige Minuten nach Neil Armstrong nur als 2. Mensch den Mond betreten zu haben. Die 2. erfolgreiche Mondlandung mit Apollo 12 fristete schon seinerzeit ein Mauerblümchendasein. - Könnten Briefmarken sprechen, würde man von mancher „Nr.2“ im Michel-Katalog ein vergleichbares Klagelied vernehmen, so z.B. von Frankreichs 20 Centimes schwarz von 1849 (Nr. 3), die rund 1,5 Jahre vor den Nummern 1 und 2 (zu 10 und 15 C) verausgabt wurde. Besonders gravierend fällt der „Bedeutungsunterschied“ bei den ersten beiden Marken von Bayern und Großbritannien auf, denn deren Nummern 1 und 2 erschienen jeweils genau am gleichen Tag, in Bayern am 1.11.1849 und in Großbritannien am 6.5.1840, noch dazu in den gleichen Farben schwarz und blau. Doch wurden nur die je als Nr. 1 gelisteten beiden schwarzen Marken berühmt: Bayerns „Schwarzer Einser“ als Deutschlands 1. Briefmarke und die britische „Penny Black“ als 1. Briefmarke der Welt. Die blauen Marken zu 3 Kreuzer bzw. 2 Pence tauchen in den philatelistischen Annalen stets nur in deren Schatten auf, Grund genug, eine solche blaue „Nr.2“, hier die britische 2 Pence von 1840 näher zu betrachten:

30 1840 Großbritannien Es handelt sich bei obiger Vorlage um einen waagerechten Dreierstreifen der 2 P blue in der selteneren Farbvariante dunkelblau mit dem Kopf der damals knapp 21-jährigen Queen Victoria (24.5.1819-22.1.1901), die seit 1837 regierte. Der Streifen ist lediglich unten im Schnitt berührt bzw. leicht angeschnitten, im Übrigen jedoch vollrandig. Neben der besonders frischen und tiefen Farbe glänzt der Streifen durch seine feine Abstempelung mit sog. schwarzen Malteserkreuzen, die seltener als rote Stempel sind. Den Eckbuchstaben LH bis LJ lässt sich die genaue Position des Streifens im ursprünglichen Druckbogen entnehmen. Der britischen Nr. 2 fehlt oben unter dem Wort „Postage“ ein weißer Querstrich, wodurch sie sich leicht von der deutlich billigeren 1841 verausgabten farb- und wertgleichen Nr. 4 unterscheiden lässt. Insgesamt handelt es sich um einen optisch äußerst reizvollen Beleg.- Übrigens gibt es bei Briefmarken zumindest eine Nr.2, die weit berühmter ist als die Nr.1 im Katalog: Die legendäre „blaue Mauritius“ mit ihren ebenfalls 2 Pence ist viel bekannter als die „rote Mauritius“ zu 1 Penny!

Am 16.1.2023 wurde Griechenlands letzter König Konstantin II. (2.6.1940-10.1.2023) feierlich zur letzten Ruhe geleitet. Dabei fand sich fast der gesamte europäische Hochadel in Athens Mariä Verkündigungskathedrale ein, keine Überraschung, denn Spaniens ehemalige Königin Sofia war Konstantins ältere Schwester, und er selbst hatte 1964 die dänische Prinzessin Anne-Marie, Tochter König Frederiks IX. von Dänemark und zugleich jüngste Schwester von Königin Margrethe II. geheiratet. Zudem war er mit vielen europäischen Königshäusern verwandt und wurde von seinen royalen Verwandten liebevoll „Tino“ genannt. Seine Regierungszeit als König war aber ebenso kurz wie erfolglos, denn er erbte am 6.3.1964 nach dem Tod seines Vaters König Paul mit nicht einmal 24 Jahren den Thron. Nach dem Militärputsch vom 21.4.1967 versuchte er am 13.12.1967 einen Gegenputsch, der jedoch scheiterte, so dass er sich mit seiner Familie für viele Jahrzehnte ins Exil begab. 2 Volksabstimmungen 1973/74 fielen gegen die Monarchie und für die Republik aus. Dabei hatte für „Tino“ alles wie im Bilderbuch begonnen, wie wir an folgenden 3 griechischen Briefmarken erläutern dürfen:

 34 1960 65 Griechenland

Der 20jährige Kronprinz hatte 1960 an den Olympischen Spielen in Rom teilgenommen und dort die Goldmedaille in der Drachen-Segelklasse gewonnen. Auf diese Goldmedaille war Konstantin sehr stolz, und deshalb wurde sie zusammen mit seinen Orden im Trauerkondukt hinter seinem Sarg präsentiert. Die querformatige Briefmarke zu 2,50 Drachmen aus dem Jahre 1960 würdigt Konstantins Olympiasieg und zeigt sein Segelboot „Nerifs“ und den jungen Kronprinzen.- 1963 verlobte sich Konstantin mit der dänischen Prinzessin Anne-Marie, und am 18.9.1964 fand in Athen eine „Märchenhochzeit“ statt. Die junge, gerade 18jährige bildhübsche Braut und ihr Bräutigam, in seiner weißen ordensgeschmückten Galauniform wie ein Adonis wirkend, strahlten vor Glück. Diese Traumhochzeit würdigte die griechische Post mit 3 motivgleichen Marken, die das junge Paar unter der Krone zeigten. Wir sehen oben den Höchstwert dieses Markentrios, die 4,50 Dr kornblumenblau.- Am 10.7.1965 wurde Prinzessin Alexia geboren, weshalb die Post am 19.12.1966 3 Sondermarken verausgabte, von denen wir den mittleren Wert zu 2,50 Dr schwarzlila mit der jungen Königsfamilie zeigen, denn dies sollte die letzte Briefmarke mit Konstantins Portrait bleiben. Rund 1 Jahr später verlor Konstantin für immerden griechischen Thron, der sich seit 1832 schon mehrfach als „Schleudersitz“ erwiesen hatte. Bei seiner Beerdigung schlossen sich über die Präsentation der Goldmedaille hinaus noch mindestens 2 weitere „Kreise“: Seine Witwe Anne-Marie trug nämlich das gleiche diamantenbesetzte Kreuz wie 1964 bei der Hochzeit; Konstantin hatte sich auf dem königlichen Friedhof von Tatoi einen Platz für sein Grab ausgesucht, von dem man einen wunderbaren Blick auf das Meer hat, auf dem er einst so gerne segelte.

Sonntag, 12 Februar 2023 20:26

Frankreich 1914: „Kommerz“ im Krieg?

Nachdem als Folge der sog. Julikrise und der Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien das mit der Donaumonarchie verbündete Deutsche Reich am 31.7.1914 den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ verkündet hatte, folgten noch am gleichen Tag auf nur 12 bzw. 18 Stunden befristete deutsche Ultimaten an Russland und Frankreich. Die französische Regierung, mit Russland und England verbündet, wurde damit aufgefordert, für den Fall eines deutsch-russischen Kriegs die Neutralität zu erklären und als Faustpfand die Festungen Verdun und Belfort zu übergeben, für Frankreich inakzeptable Forderungen. Das Deutsche Reich erklärte am 1.8.1914 Russland und am 3.8. Frankreich den Krieg. Zu diesem Zeitpunkt drangen die deutschen Truppen bereits in Luxemburg und Belgien ein, um im Rahmen des sog. Schlieffen-Plans von 1905 mit einem starken Nordflügel das französische Festungssystem zu umgehen, Paris zu umfassen und dem französischen Heer in den Rücken zu fallen. Fast hätte dieser rasche Vorstoß zum Erfolg geführt, doch konnte Frankreich in der Marneschlacht vom 6.-10.9.1914 den Angriff der deutschen Armeen stoppen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits große Teile Nordostfrankreichs in deutscher Hand, darunter auch das im Département Nord an der Schelde unweit der belgischen Grenze gelegene Valenciennes, eine Stadt mit heute rund 43.000 Einwohnern. In diese Zeit fällt der Postlauf des hier abgebildeten Briefs, abgestempelt am 24.9.1914:

 26 1914 Frankreich                      

Das tadellos erhaltene Couvert ist mit einer knallroten Briefmarke mit weißen Inschriften frankiert, die sich deutlich von den damaligen französischen Dauermarken mit dem Motiv der Säerin (Type Semeuse) unterscheidet. Das ist kein Wunder, denn es handelt sich dabei um eine Ausgabe der Handelskammer von Valenciennes, die am 8.9.1914 während der ersten Zeit der deutschen Besatzung mit Genehmigung der deutschen Militärverwaltung verausgabt worden war, und daher im Michel-Katalog sowohl als Frankreichs Nr. 127, aber auch bei den ersten Germania-Überdruckmarken beim Etappengebiet West gelistet ist. Die mit einfachen Druckmitteln vor Ort in einer Auflage von lediglich 3000 Stück hergestellte und generell schlecht gezähnte Marke zu 10 Centimes diente als Provisorium („Service Postal Intérimaire“) der „Chambre de Commerce de Valenciennes“, nachdem die französischen Briefmarken der lokalen Postbehörde aufgebraucht waren, vornehmlich im Dienstgebrauch, denn Absender des Briefs war das Rathaus bzw. das Büro des Bürgermeisters („Hôtel de Ville de Valenciennes, Cabinet du Maire“), wie der Vordruck links oben mit dem Wappen der Stadt (ein Löwe im bekrönten Schild, der von 2 Schwänen gehalten wird) zeigt. Die Entwertung am 24.9.1914 erfolgte mit dem mattvioletten querovalen Stempel der Handelskammer. Briefempfängerin war „Madame Porteneuve-Lerroud“ in dem nur 7 km südlich von Valenciennes gelegenen Famars, das damals ca. 1000 Einwohner zählte (heute rund 2500), 1793 Schauplatz einer Schlacht im 1. Koalitionskrieg. Zwar fehlt ein Ankunftsstempel, doch ist davon auszugehen, dass der Brief noch am Absendetag zugestellt wurde.- „Kommerz“-Denken dürfte in Anbetracht der Kriegssituation und eines Portos von lediglich 10 C bei der „Chambre de Commerce“ freilich nicht im Vordergrund gestanden haben.

Sonntag, 08 Januar 2023 19:46

Frankreich 1864: „Verwechslungsgefahr“

Ein Wechsel ist wie ein Scheck ein Zahlungsmittel, kann aber zusätzlich zur Refinanzierung wie ein Wertpapier an die Hausbank oder Dritte weitergereicht werden. Zum Fälligkeitstag muß dann primär der Bezogene die Schuld einlösen, hilfsweise u.a. jeder, der ihn „quer“ unterschrieben hat (daher das Motto: „Schreibe hin, schreibe her, schreibe aber niemals quer!“). Bis Ende 1991 verdiente dabei auch der Staat über die Wechselsteuer, die pro angefangene DM 100.- bei 0,15 DM lag. Sie wurde mit sog. Wechselsteuermarken entrichtet, die auf die Rückseite des Wechsels geklebt wurden. Gerne wurden dafür in der Wechselabteilung einer Bank Praktikanten herangezogen, denen man weismachte, es gäbe da Geschmacksrichtungen wie Erdbeer oder Kirsch. Von wegen: Sie schmeckten beim „Ablecken“ alle gleich, nämlich unvergesslich abscheulich! Wechselsteuermarken sind naturgemäß keine Briefmarken, fallen aber unter den Begriff der Fiskalphilatelie und waren bereits z.B. im 2. Französischen Kaiserreich unter Napoleon III. gebräuchlich. Mit Dekret vom 3.1.1864 wurden dort25 verschiedene Wechselsteuermarken verausgabt, von denen wir exemplarisch 3 Werte hier vorstellen dürfen:

3 1864 Frankreich

Die Marken im Hochformat haben Größe und die graue Farbe gemeinsam, ebenso das große Medaillon in der Markenmitte, welches den lorbeerbekränzten Portraitkopf des Kaisers zeigt, wie wir es -freilich im Querformat- bei der grauen 5 Francs-Briefmarke von 1869 kennen. Jede dieser kaiserlichen Marken („Timbre Impérial“) trägt die Randumschrift „Effets de Commerce de l‘ Étranger et Warrants“, wurde also bei Wechseln und Wertpapieren für die zu entrichtende Steuer eingesetzt. Für jede angefangene 100 Fr waren 5 Centimes Steuer zu zahlen, wie die Marke links der niedrigsten Wertstufe mit dem roten Aufdruck „100 Fr et au dessous“ zeigt, wobei hier „dessous“ natürlich wörtlich mit „unterhalb“ zu übersetzen ist, also keine „Unterwäsche“ bedeutet! Bei 2.000 Fr Wechselsumme war mit der mittleren Marke 1 Fr zu zahlen, und bei 20.000 Fr sogar ein Betrag von 10 Fr, wie der Höchstwert rechts veranschaulicht. Alle 25 Werte ergaben in der Addition 105,75 Fr, damals sehr viel Geld, denn eine Münze zu 100 Fr entsprach 29,03 Feingold, also fast einer ganzen Unze. Da die Wechselsteuermarken sich zum Verwechseln ähnlich sahen, war beim Aufkleben erhöhte Vorsicht geboten, um diese Verwechslungsgefahrbei Wechseln auszuschließen. Alle 25 Marken in ungebrauchter Erhaltung und jeweils vollrandig geschnitten vereint zu finden, stellt eine Sensation dar.

Die Zeit russischer Seesiege liegt lange zurück. Zuletzt hatte die russische Marine am 14.4.2022 den Untergang der „Moskwa“ im Ukrainekrieg zu beklagen. In den beiden Weltkriegen gab es nur unbedeutende Einzelgefechte, während das Gros der Flotte nicht zum Einsatz kam. Der Russisch-Japanische Krieg hatte 1904/05 die fast vollständige Vernichtung der Kriegsflotte vor Port Arthur und in der Seeschlacht bei Tsushima mit sich gebracht. Doch glänzte Russlands Kriegsmarine im Griechischen Freiheitskrieg 1827 bei Navarino und 1853 im Krimkrieg vor Sinope unter Admiral Nachimow und konnte damit an den russischen Erfolg 1770 in der Seeschlacht von Çeşme (Tschesme) unter Alexei Orlow anknüpfen, übrigens alles Siege über die Türken. Der „Vater“ und Begründer der russischen Kriegsmarine war jedoch zweifellos Zar Peter der Große (30.5./9.6.1672- 28.1./8.2.1725), der dem einstigen moskowitischen Binnenstaat große Gebietszuwächse im Süden im Kampf um Asow und im Norden an der Ostsee gegen Schweden verschaffte. Er selbst hatte einst incognito in den Niederlanden als Schiffszimmerer gearbeitet und dann in Russland den Bau von Kriegsschiffen durchgesetzt. Ihre erste Feuertaufe sollte die junge russische Marine 1714 gegen Schweden in der Seeschlacht von Gangut bestehen, ein großer Erfolg, an den die sowjetische Post 275 Jahre später 1989 mit dem hier abgebildeten Markenblock erinnerte:

1989 Russland                           

Ließ das Zarenreich 1914 anläßlich des 200. Jahrestags noch Gedenk-Silberrubel prägen und ein neues Schlachtschiff auf den Namen „Gangut“ taufen, ignorierte die UdSSR 1964 den 250. Jahrestag, da ein einstiger zaristischer Erfolg ideologisch damals nicht in das Konzept der Sowjets passte. Unter Gorbatschow sah man das 1989 offenbar liberaler. Der Block zeigt samt seiner darin enthaltenen Sondermarke zu 50 Kopeken den Höhepunkt der Schlacht, als die russischen Galeeren das schwedische Flaggschiff „Elefant“ einkreisen und entern. Die russischen Schiffe standen unter dem Kommando von Admiral Apraxin, wobei  Zar Peter I. ebenfalls einen Angriff führte, weshalb sein Portrait im Medaillon am rechten Rand der Blockmarke zu sehen ist. Der Ort des Geschehens lag an der Südspitze Finnlands bei der Halbinsel (=udd) Hanko/Hangö, wobei aus Hangö udd im Russischen in Ermangelung eines „H‘s“ im Alphabet ein „G“ und damit Gangut (Гангут) wurde, wie im braun-goldenen Girlandenband am oberen Blockrand zu lesen ist. Am unteren Rand steht zwischen 2 Ankern das genaue Datum der Schlacht nach dem damals in Russland geltenden julianischen Kalender mit dem 27. Juli 1714 [= 7.8. greg.Kal.). Auf der Blockmarke steht geschrieben: 275 Лет Гангутскому сражению (275 Jahre Schlacht von Gangut). Der in den Grundfarben schwarzblauviolett/dunkelsiena gehaltene gestempelte Block wurde zwar erst am 27.7.1989 offiziell verausgabt, aber schon im Voraus am 24.7. auf dem Moskauer Hauptpostamt (Москва Почтамт) abgestempelt.

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