Sonntag, 23 Januar 2022 20:45

Belgien 1936: Astrid von Schweden

29.8.1935: Ein Wagen mit offenem Verdeck ist auf der Uferstraße des Vierwaldstätter Sees nahe Küssnacht unterwegs, am Steuer ein 33jähriger Mann, auf dem Beifahrersitz seine 29jährige Ehefrau. Beide unternehmen gerade eine letzte Ausflugsfahrt in ihrem Sommerurlaub und sind bei bester Laune. Doch dann geschieht Unfassbares: Der Fahrer, kurz abgelenkt, verliert die Kontrolle über das Fahrzeug, das von der Fahrbahn abkommt und gegen 2 Bäume prallt. Der Fahrer wird verletzt, die aus dem Wagen geschleuderte Beifahrerin (damals gab es noch keine Gurte im PKW) erliegt noch am Unfallort ihren schweren Kopfverletzungen. Es handelte sich um König Leopold III. von Belgien 3.11.1901-25.9.1983; reg. 1934-1951) und Königin Astrid (17.11.1905-29.8.1935). Durch ein Augenblicksversagen ihres Vaters verloren die 3 Kinder des Königspaars, die sich zum Glück nicht im Fahrzeug befanden, die späteren belgischen Könige Baudouin (1930-1993) und Albert II. (geb. 1934) sowie die spätere luxemburgische Großherzogin Joséphine-Charlotte (1927-2005), ihre Mutter. - Dabei hatte alles 1926 in Stockholm mit einer Traumhochzeit begonnen, als sich der belgische Kronprinz Leopold und seine wunderschöne Braut Prinzessin Astrid von Schweden, eine Enkelin von König Oskar II., das Ja-Wort gaben. Astrid war in Belgien sehr beliebt und wurde in ihrem einzigen Jahr als Königin auch zu einer „Königin der Herzen“. - Zu Astrids Lebzeiten erschienen keine Briefmarken mit ihrem Portrait, doch verausgabte Belgiens Post anlässlich ihres Todes am 3.10. und 1.12.1935 acht Wohlfahrtsmarken, die wir auf nachstehendem prachtvollen Zeppelinbrief als kompletten Satz finden:

 23 1936 Belgien

Alle Marken zeigen die anmutige und viel zu früh verstorbene Königin mit ihrem wohl bekanntesten Portraitphoto in unterschiedlichen Farben von der 10+5 Centimes schwarz/schwarzoliv bis zur 2,45 Francs+55 C schwarz/dunkelviolett und besitzen einen schwarzen Trauerrand. Rückseitig ist noch die Flugpostmarke zu 5 Fr rotbraun von 1930 mit einer Ansicht Brüssels verklebt. Die Satzmarken sind paarweise sehr sauber und gesichtsfrei mit Antwerpens Ortsstempel vom 4.5.1936 entwertet. Per Auflieferungsflug gelangte der Umschlag nach Frankfurt zum neuen Zeppelin LZ 129 „Hindenburg“ für dessen 1. Nordamerikafahrt (violetter Flugpoststempel vorderseitig) nach Lakehurst, USA, die am 6.5.1936 Abends um 20.30 Uhr begann. Die Landung in Lakehurst erfolgte am 9.5., 6.10 Uhr. Noch am gleichen Tag erreichte der Einschreibebrief gemäß rückseitigen Ankunftsstempeln seinen Empfänger in New Yorks Lexington Avenue.

Sonntag, 19 Dezember 2021 11:32

Vatikan 2005: „Wir sind Papst!“

Die berühmte, geradezu geniale Schlagzeile der BILD-Zeitung auf der Titelseite ihrer Ausgabe vom 20.4.2005 „Wir sind Papst!“, die mittlerweile zu den „Geflügelten Worten“ gezählt werden kann, würdigte in freilich sehr reißerischem Stil das historische Ereignis, dass am Tag zuvor ein deutscher Kardinal mit dem bürgerlichen Namen Joseph Aloisius Ratzinger (geb. 16.4.1927 im bayerischen Marktl) zum neuen Papst und damit zum Nachfolger des großen am 2.4.2005 verstorbenen Johannes Paul II. auf den Stuhl Petri gewählt worden war. Nach Hadrian VI. (Pontifikat 1522/23), den auch die Niederländer, da in Utrecht geboren, für sich reklamieren, obwohl die Niederlande als Teil Burgunds damals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörten, stand nach 482 Jahren wieder ein „Deutscher“ an der Spitze der Katholischen Kirche. Seine Wahl kam zumindest für „Insider“ nicht unerwartet, da er die Begräbnisfeierlichkeiten für seinen Vorgänger geleitet und auch während der Sedisvakanz mit wichtigen Amtsgeschäften betraut war. Schon am 2. Tag des Konklaves wurde er bereits im 4. Wahlgang gewählt, und die Welt wartete gespannt, welcher Name bei der Bekanntmachung auf der berühmten Mittelloggia des Petersdomes nach den Worten „Habemus Papam“ fallen würde. Beispielloser Jubel der deutschen Zuschauer brandete nach den Worten „Josephum Cardinalem Ratzinger“ auf, der sich den Namen Benedikt XVI. gab und -in perfektem Italienisch- die Worte sprach: „Nach dem großen Papst Johannes Paul II. haben die Kardinäle mich gewählt, einen einfachen, bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn. Mich tröstet die Tatsache, dass der Herr auch mit ungenügenden Werkzeugen zu arbeiten und zu wirken weiß.“ -Die Vatikanpost folgte der Tradition, schnellstmöglich neue Briefmarken mit dem Portrait des neuen Kirchenoberhaupts zu verausgaben. Wir zeigen diese auf einem am 2.6.2005 verausgabten Ersttagsbrief:
10 2005 Vatikan
Der mit „2. Giugno 2005, die emissionis, Poste Vaticane“ abgestempelte Umschlag ist mit 3 Sondermarken frankiert, die den Papst in drei unterschiedlichen liturgischen Gewändern abbilden. Auf der mittleren Marke zu 0,62 € sehen wir Benedikt in der nur dem Papst vorbehaltenen weißen Soutane und dem ebenfalls weißen Pileolus („Scheitelkäppchen“, wobei die weiße Farbe als Symbol für Unschuld und Reinheit steht) mit Halskette und Pektorale. Die Marke rechts zum Nennwert von 0,80 € stellt den Papst nach der feierlichen Amtseinführung im festlichen Gewand mit der zweispitzigen Bischofsmitra und dem Pallium mit roten Seidenkreuzen als Zeichen der Wundmale Christi dar. Die linke Marke zu 0,45 € passt exakt zum linken Umschlagphoto, da der Papst hier neben der roten Mozetta die festliche golddurchwirkte purpurne Stola seiner Vorgänger trägt. - Der auch liebevoll „Papa Ratzi“ genannte Papst konnte -mit bereits 78 Jahren ins Amt gewählt- die auf seinem Pontifikat ruhenden Erwartungen letztlich nicht erfüllen, weshalb er zum 28.2.2013 aus gesundheitlichen Gründen auf sein Amt verzichtete und seitdem als emeritierter Pontifex zurückgezogen im Vatikan lebt.

Das 25. Jahr des eigenen Pontifikats erlebten nachweisbar bisher erst 3 Päpste: Pius IX. (Pontifikat 1846-1878), Leo XIII. (Pontifikat 1878-1903)  und Johannes Paul II. (18.5.1920-2.4.2005; Papst seit 16.10.1978), dessen Pontifikat 26 Jahre und fast 6 Monate dauerte.- Nachdem Johannes Paul I. nach nur einmonatiger Amtszeit am 28.9.1978 verstorben war, mussten die Kardinäle erneut zum Konklave versammelt werden, bei dem sie am 16.10.1978 im 8. Wahlgang den Erzbischof von Krakau Karol Kardinal Wojtyła zum neuen Papst wählten. Mit ihm war nach 455 Jahren der erste Nicht-Italiener Papst geworden, der erste Slawe, zudem aus dem damals noch kommunistischen Polen, somit für die „Römer“ aus einem „fernen und fremden Land“ stammend. Doch fand der neue Papst schon bei seiner ersten Ansprache mit dem berühmten „Habt keine Angst“ die richtigen Worte. Obwohl Johannes Paul II. erst 58 Jahre alt war, konnte niemand vermuten, dass sein Pontifikat so lange dauern und so erfolgreich verlaufen würde. Nur wenige, die ihn gut kannten, und mancher kommunistische Staatslenker ahnten freilich, was dieser Nachfolger Petri vor allem in Osteuropa verändern sollte. Recht „süßsäuerlich“ fielen daher die Glückwünsche der polnischen Staatsführung aus, die bereits im Juni 1979 beim ersten Besuch des Papstes in seiner alten Heimat Millionen Gläubige zusammenströmen sah. Johannes Paul II. sollte letztendlich, parallel zum Wirken von Ronald Reagan und von Michail Gorbatschow, die zentrale Rolle für den Fall des Kommunismus in Osteuropa spielen, und das auf völlig friedlichem Wege, als begnadeter „Menschenfischer“ und als „Fels, auf dem die Kirche gebaut ist“. - Die Vatikanpost ehrte das „Silberjubiläum“ von Johannes Paul II. zum einen durch einen Zusammendruck-Bogen von 25 Werten mit je einem für ihn besonders wichtigen Ereignis eines jeden Jahres von 1978 bis 2002, der in ähnlicher Form auch in Polen verausgabt wurde, aber auch mit einer „silbernen“ Briefmarke, die wir hier auf Ersttagsbrief präsentieren:
9 2003 Vatikan
Der Ersttagsbrief vom 20.3.2003 zeigt links ein Photo des Papstes am Abend seiner Wahl am 16.10.1978 auf der Mittelloggia des Petersdomes. Rechts sehen wir die in einer Auflage von 200.000 Exemplaren verausgabte Jubiläumsmarke mit dem Nennwert € 2,58 der „Città del Vaticano“, die im Siebdruck auf Silberfolie jeweils einzeln als selbstklebende Marke mit einer zähnungsartigen Stanzung hergestellt wurde und den Papst mit Halskette und Pektorale sowie Pileolus darstellt. Eine motivgleiche silberne Marke zu 10 Złotych erschien zeitgleich in Polen. Durch „Kippen“ des Umschlags glänzt die Folie silber bis grau, und das Papstbild erscheint dabei jeweils als „Positiv“ oder „Negativ“, wobei dieser große Papst, der 2011 selig- und 2014 heiliggesprochen wurde und der 2020 hundert Jahre alt geworden wäre, in seiner Person und seinem Wirken sehr „positiv“ bewertet wird. Sein Pontifikat hat wichtige Zeichen gesetzt und außerdem in 26 Jahren mit 778 verschiedenen Briefmarken (seine Vorgänger brachten es von 1929 bis 1978 in rund 50 Jahren nur auf 735 Katalognummern) auch bleibende „philatelistische Spuren“ hinterlassen.

Sonntag, 17 Oktober 2021 10:27

Österreich 1850: „Braune Unschuld“

Während die Farben Rot, Schwarz, Grün und Gelb im politischen Parteienalltag Deutschlands seit langem eine Selbstverständlichkeit sind und sogar bei Koalitionsüberlegungen nach dem farblichen Vorbild mancher Nationalflagge eine Rolle spielen, ist die Farbe „Braun“ auf diesem Gebiet zu Recht ein „No Go“, steht doch „Braun“ hier für NS-Gedankengut, dies wegen der braunen Hemden der SA-Männer, der sog. „Braunhemden“. Die schwarze Farbe der SS-Vorkriegsuniformen oder Mussolinis „Schwarzhemden“ haben hingegen der Farbe „Schwarz“ nicht geschadet.- Mitte des 19. Jahrhunderts, als die ersten Briefmarken diverser Postverwaltungen das Licht der Welt erblickten, verband man mit der Farbe „Braun“ als Farbe der Erdverbundenheit noch keine politischen Gedanken. Die jeweilige „Nr. 1“ der Ausgaben Badens, Belgiens, Dänemarks und Russlands waren braun, in Frankreich zumindest gelbbraun, und spätestens mit der 2. Ausgabenserie hatte fast jedes Land seinen „Brownie“. Mit der Wappenausgabe von 1850, die den Habsburger Doppeladler zeigt, erschienen in Österreich 5 Werte zu 1, 2, 3, 6 und 9 Kreuzer, von denen der Wert zu 6 Kr in brauner Farbe gedruckt wurde. Ein Viererblock dieser „braunen Österreicherin“ ist nachstehend abgebildet:

8 1850 Österreich

Der farbfrische Viererblock gehört zur sog. Handpapier-Erstauflage, die höher als die etwas spätere Maschinenpapier-Auflage im Michel-Katalog wertet. Als Einzelmarke ist sie trotzdem leicht und für wenig Geld zu erwerben, doch sind nur wenige Markenblocks erhalten geblieben. Der Block ist bis auf die obere rechte, aber noch vollrandige Marke allseits gleichmäßig breitrandig geschnitten, wobei 2 sog. Vortrennschnitte im Markenzwischenraum oben und links das Gesamtbild nicht trüben, ebensowenig ein waagerechter geglätteter Bug durch das untere Paar. Die Abstempelung besteht aus einem kompletten und zwei Teilabdrucken des schwarzen Zweikreisstempels „Szegedin 5/8“. Da Ungarn erst ab 1871 eigene Briefmarken besaß, galten zuvor dort die Marken des Kaiserreichs Österreich, somit auch in Szegedin, ung. Szeged, ca. 175 km südöstlich von Budapest an der Grenze zu Serbien gelegen und heute die drittgrößte Stadt Ungarns. Die ungarischen Stempel zeigten damals das Datum (hier: 5.8.) ohne Jahreszahl, besaßen aber dafür im unteren Bereich ein hübsches girlandenartiges Zierfeld als Pendant zur oberen Ortsangabe. Bei unserem Block handelt es sich gemäß dem Attest des bekannten Fachprüfers Dr. Ulrich Ferchenbauer “um ein optisch ansprechendes Stück dieser seltenen Einheit“, zugleich um eine „braune Unschuld“, wie etwa bei der „Bräune“, die vom Besuch am Strand oder im Sonnenstudio herrührt.

Die Redensart „In Schönheit sterben“ geht auf ein Zitat aus einem Drama von Henrik Ibsen zurück und wurde zum geflügelten Wort, wenn sich z.B. ein Produzent oder eine Fußballmannschaft trotz schöner Qualität nicht durchzusetzen vermag, weil es am Bedarf bzw. am notwendigen Einsatz mangelt. Bei Briefmarken droht das höchstens am Ende eines langen Sammlerlebens, wenn eine liebevoll ein Leben lang aufgebaute schöne Sammlung ihren Besitzer bis zum letzten Atemzug begleitete. Wir befassen uns hier jedoch mit dem Motto „In Schönheit stempeln“, denn das Augenmerk vieler Sammler ist nicht nur darauf gerichtet, möglichst alle Marken einer bestimmten Ausgabenserie zu besitzen. Das wäre nämlich bei Österreichs Erstausgaben schnell erledigt, denn die 1850 erschienenen 5 Marken der Wappenausgabe zu Nennwerten von 1,2,3,6 und 9 Kreuzer sind als lose Einzelmarken wegen ihrer hohen Auflagenzahlen leicht beschaffbar, zumal der Katalogwert bei drei dieser Werte nur 2.- bis 6.- EUR beträgt. Doch sind den Wünschen des Sammlers keine Grenzen gesetzt, und er kann die Sammlung um Paare, Streifen. Blocks, Briefstücke, Briefe oder aber um besonders schön gestempelte Exemplare erweitern. Letzteres veranschaulichen wir mit den 3 hier abgebildeten Stücken mit Marken der 1. Wappenausgabe Österreichs:

7 1850 1858 Österreich

Die obere Abbildung zeigt ein Kabinett-Briefstück, auf dem sich rechts die 3 Kr stumpfrosa und links die 9 Kr lebhaftblau befinden. Beide Marken, die den Habsburger Doppeladler zum Motiv haben, sind sehr breitrandig geschnitten, was bei dieser Ausgabe aber wegen der breiten Abstände im Druckbogen die Norm sein sollte. Ungewöhnlich sind bereits der schöne Farbkontrast, die kehrdruckpaarförmige Anordnung der Marken sowie die Portokombination zu 12 Kr. Der besondere Reiz dieses Briefstücks besteht freilich in seiner herrlichen Abstempelung, denn beide farbfrischen Marken sind fast zentrisch mit dem jeweils kompletten roten Wiener Einschreibe-Stempel „RECOMMANDIRT WIEN 11/3/1858“ abgestempelt, was zu einem wunderbaren Farbkontrast führt.- Es gab aber auch noch andere reizvolle Wiener Abstempelungen, wie die beiden unteren Briefstücke zweier vollrandiger Exemplare der 9 Kr dunkelblau mit schwarzen sog. Wiener Strahlenstempeln belegen.  Beide besitzen ihren besonderen Charme: Das linke Prachtstück ist mit dem kompletten, aber um 90 Grad gedrehten Abschlag vom „14.Juli“ entwertet, das rechte Belegstück mit dem „aufrechten“, nur oben bei „WIEN“ nicht ganz vollständigen Stempel vom „23.Juni“. - Alle 3 Briefstücke sind besonders als „Trio“ eine optische Bereicherung für jede Alt-Österreich-Sammlung, hier für die des Verfassers.

Als „graue Maus“ bezeichnet zu werden, gilt besonders bei Frauen ganz und gar nicht als Kompliment, versteht man darunter doch eine im Auftreten unauffällige, bescheidene und eher scheinbar unbedeutende Person, wobei dieser Eindruck noch durch graue Kleidung verstärkt werden kann. Vielleicht war das auch ein Grund, weshalb die Farbe „Grau“ für die meisten Postverwaltungen im 19. Jahrhundert bei der Ausgabe von Briefmarken keine primäre Wahl war. Doch musste „Grau“ mitunter in die „Bresche“ springen, wenn die anderen, vermeintlich schöneren Farben schon für andere Wertstufen vergeben waren, aber für einen Ergänzungswert noch eine weitere Farbe benötigt wurde. So geschah es z.B. in Frankreich bei den 4 Centimes-Marken für Drucksachen, denn sie wurden in grauer Farbe gedruckt. Dazu zählte auch die 4 C grau der sog. Bordeaux-Ausgabe von 1870/71. Aufgrund der deutschen Belagerung von Paris im Deutsch-Französischen Krieg war die Regierung nach Bordeaux geflohen, so dass die insgesamt 9 verschiedenen Wertstufen dieser Freimarkenserie dort zur Ausgabe gelangten, darunter der Wert zu 4 C, den wir auf dem hier abgebildeten Faltbrief aus dem Jahre 1871 gleich mehrfach vertreten finden:

16 1871 Frankreich II

Basis der mit 10 Briefmarken auf dem kleinformatigen Brief aufgebrachten äußerst ungewöhnlichen Frankatur ist ein waagerechter Fünferstreifen der 1 Centime grünlichbronze auf bläulich mit dem belorbeerten Portraitkopf („tête laurée“) des am 4.9.1870 gestürzten französischen Kaisers Napoleon III. (20.4.1808-9.1.1873; reg. 1852-1870). Dazu wurden ein waagerechtes Paar sowie ein waagerechter Dreierstreifen der 4 C grau der republikanischen Bordeaux-Ausgabe mit dem Abbild der Göttin Cérès, die jeweils vollrandig geschnitten sind, rechts und links rechtwinklig die Außenmarken des Fünferstreifens teilüberlappend, verklebt. Dies ergab das damalige Standardbriefporto von 25 C, das auch durch 2 Marken zu 20 und 5 C einfacher, aber damit unspektakulärer hätte entrichtet werden können. Alle Marken sind mit besonders klaren Punktrhombenstempeln der Gros Chiffres „3474“ entwertet, wobei diese Nummer für Suze-La-Rousse steht (zusätzlicher vorderseitiger Ortsstempel vom 14.9.1871), das rund 20 km nördlich von Orange im Département Drôme gelegen ist. Unser Prachtbrief war an einen Empfänger im 15 km entfernten Colonzelle gerichtet, wo er am Folgetag eintraf. - Die Frankatur des hervorragend erhaltenen Briefs, die 5 Marken des gestürzten Empereurs mit 5 „Grauen Mäusen“ kombiniert, dürfte in dieser Form wohl ein Unikat darstellen.

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